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Party bis zum Tod

Vang Vieng - Eine laotische Kleinstadt im Ausnahmezustand
Mallorca war gestern.
Trinkwütige Partyurlauber nehmen heute mehr Flugstunden auf sich, ziehen weiter, bis nach Südostasien. Feierten sie einst auf der Schinkenstraße in El Arenal bis zum Umfallen, so tun sie das heute auf dem Nam Song Fluss in Vang Vieng, Laos.

Allein letztes Jahr feierten 27 junge Menschen so lange, bis sie nicht wieder aufstanden.
Sie verloren in Vang Vieng ihr Leben.
Laos ist Teil des sogenannten„Banana-Pancake-Trails“, (Bananenpfannkuchen Pfad) einer Route durch Südostasien, die immer mehr Backpacker zwischen 18-30 anzieht.
Dort ist es günstig, warm und weit genug weg von deutschen Sicherheitsvorschriften, Sperrzonen und Regeln.

Doch nicht nur Deutsche, die gerade die Schule abgeschlossen haben, reisen nach Laos. Gleichgesinnte aus aller Welt treffen sich in Vang Vieng: Australier, Israelis, Japaner.
Umgeben von Regenwald und pitoresken Gebirgsketten ist es kein Wunder, dass Touristen nach Vang Vieng strömen. Doch sie tun es nicht der Natur oder der Freiwilligenarbeit auf Ökofarmen wegen.
Sie werden von diesem Ort angezogen, weil er für sie Freiheit und Gesetzlosigkeit bedeutet; es scheint, als könnten sie in Laos tun und lassen, was sie wollten.

Party machen ist hier unschlagbar billig:
Whiskey ist in Vang Vieng größtenteils umsonst, vor allem an den Bars entlang des Nam Song Flusses, auf dem die berauschte Meute in Gummischläuchen aus alten LKW Reifen stromabwärts treibt.
„Tubing“ heißt dieses Phänomen, ein eigentlich harmloser Freizeitsport, der in Vang Vieng Kultstatus hat. Kommen jedoch billiger Alkohol und Drogen ins Spiel, kann Tubing tödlich ausgehen.

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Allein im Jahr 2011 sind nach offiziellen Angaben 27 junge Menschen in Vang Vieng ertrunken, oder haben sich beim Sprung in den oft seichten Fluss tödlich verletzt. Die Dunkelziffer ist unbekannt.
Täglich werden bis zu zehn Verletzte ins örtliche Krankenhaus eingeliefert. Doch die Party geht weiter.
Die Todesopfer sind dabei nicht die einzige Tragödie: die Bewohner Vang Viengs müssen rund um die Uhr mit schwer alkoholisierten Touristen und lauter Technomusik, sowie amerikanischen Sitcoms, in der Endlosschleife aus jeder zweiten Bar übertragen, leben.

Vang Vieng hat sich in den letzten Jahren um 180 Grad gewendet: von der einst verschlafenen Kleinstadt (Einwohnerzahl ca. 30000) zur weltbekannten Partymeile (jährliche Besucherzahl ca. 170 000).
Der Fluss, der für viele Fischerfamilien den Lebensunterhalt bedeutete, gilt unter den Laoten als verseucht, die Buddhisten sagem ihm schlechtes Karma nach. Aufgrund der vielen Menschen, die in diesem Fluss zu Tode kamen, meiden sie den Fluss nun - wenn möglich.


Denn die Anwohner leben oft in großer Armut, die einzige lukrative Einkommensquelle ist der Tourismus. Doch der läuft auf dem Nam Song Fluss in Vang Vieng aus dem Ruder.
Es bleibt jedem selbst überlassen, wo und wie man seinen Urlaub verbringt. Doch entgegen der Annahme vieler gibt es auch in Laos juristische und moralische Regeln, die derzeit mit Füßen getreten werden, um dem Spaß keine Grenzen zu setzen.

Laos, ein Land,das gerade erst als Urlaubsziel entdeckt wird, ist mehr denn je auf die Eigenverantwortlichkeit seiner Besucher angewiesen.

Autor: Lisa Heßler

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